Auktion: 420 / Kunst nach 45 / Zeitgenössische Kunst am 06.12.2014 in München Lot 801


801
Fritz Winter
Landschaft, 1964.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 65.000

(inkl. Käuferaufgeld)
Landschaft. 1964.
Öl auf Leinwand.
Nicht bei Lohberg. Rechts unten signiert und datiert. Verso signiert, datiert, betitelt und bezeichnet. 97 x 135,5 cm (38,1 x 53,3 in). [JS].

Die Arbeit ist im Archiv des Fritz-Winter-Hauses, Ahlen, dokumentiert. Wir danken für die freundliche Auskunft.

PROVENIENZ: Privatsammlung Hessen (direkt vom Künstler erworben).

1905 wird Fritz Winter in Altenbögge bei Unna geboren. 1919 beginnt er eine Elektrikerlehre und ist als Bergmann tätig. Anfang der zwanziger Jahre entstehen erste zeichnerische und malerische Versuche. 1927 bewirbt sich Winter erfolgreich am Bauhaus in Dessau und studiert dort die folgenden drei Jahre unter anderem bei Klee, Kandinsky, Albers und Schlemmer. 1929 nimmt er an der Ausstellung 'Junge Bauhausmaler' teil. Er macht die Bekanntschaft von Ernst Ludwig und Erna Kirchner, die er wiederholt in Davos besuchen wird. 1933 folgt ein Umzug nach München, 1935 ein weiterer nach Dießen am Ammersee. Die Nationalsozialisten erklären seine Kunst für 'entartet' und Winter erhält Malverbot. Bereits 1939 als Soldat an die Ostfront eingezogen, gerät Winter kurz vor Kriegsende in russische Gefangenschaft, aus der er erst 1949 entlassen wird. Unmittelbar nach seiner Heimkehr ist der Künstler Gründungsmitglied der Gruppe 'Zen 49' und findet schnell Anschluss an die europäische Avantgarde. Ab 1953 lehrt Winter als Gastdozent an der Landeskunstschule Hamburg, zwei Jahre später erhält er eine Professur an der Staatlichen Hochschule für Bildende Künste in Kassel. Im selben Jahr und nochmals 1959 ist er auf der Documenta I und II vertreten.

Bereits im Anschluss an seine Zeit am Bauhaus wendet sich Winter zu Beginn der 1930er Jahre mit den "Abstrakten Stilleben", welche nur noch vereinzelt gegenständliche Assoziationen erlauben, vom Gegenstand ab. Orientiert er sich in seinen frühen Arbeiten noch am variantenreichen abstrakten Formenpotenzial der Moderne von Pablo Picasso, Lyonel Feiniger, Naum Gabo und Hans Arp, so findet er in seinen Kompositionen ab den 1950er Jahren zu der ihm eigenen Formensprache, die ihm zur Zeit des Informel eine Sonderstellung zuweist. Die Kompositionen der 1960er Jahre werden zunehmend von der Fläche beherrscht. Im Werkkomplex der Reihenbilder, zu welchem unsere Arbeit zählt, verzahnen und überlagern sich offen auslaufende Formen zu Farbbändern und -flächen. In der vorliegenden Komposition dominiert die Horizontale, die sich locker überlagernden und in die Tiefe staffelnden Farbflächen schieben sich durch den Bildraum und scheinen somit geradezu über die Grenzen der Leinwand hinauszugreifen.

Zum 60. Geburtstag 1965 ehrt man den Künstler mit einer großen Retrospektive in verschiedenen Städten Deutschlands. 1970 erfolgt die Emeritierung in Kassel, seitdem lebt Winter wieder in Dießen. 1975 wird in Ahlen das Fritz-Winter-Haus eröffnet. 1976 verstirbt Fritz Winter am Ammersee.




801
Fritz Winter
Landschaft, 1964.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 20.000
Ergebnis:
€ 65.000

(inkl. Käuferaufgeld)