Auktion: 369 / Kunst nach 45/ Zeitgenössische Kunst am 12.06.2010 in München Lot 272

Jörg Immendorff - Affenbaum


272
Jörg Immendorff
Affenbaum, 1989.
Bronze
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 103.700

(inkl. Käuferaufgeld)

Bronze mit grün-grauer Patina
Auf der Plinthe mit dem Namenszug, der Datierung und Nummerierung "E.A. II/VII" sowie dem Gießerstempel "Kayser Düsseldorf". Künstlerexemplar II/VII. Höhe: 244,5 cm (96,2 in)Durchmesser der Plinthe ca. 67 cm (26,3 in).
Herausgegeben von der Galerie Rackey, Bad Honnef.
Die Bronze "Affenbaum" wurde bisher erst einmal auf dem internationalen Auktionsmarkt angeboten (Quelle: artnet).

PROVENIENZ: Galerie Rackey, Bad Honnef.

Immendorff studiert 1963/64 zunächst Bühnenkunst an der Düsseldorfer Kunstakademie und wechselt dann in die Klasse von Joseph Beuys. Angeregt durch seinen Lehrer verfasst er mehrere Manifeste und initiiert diverse künstlerische und politische Aktionen. Am bekanntesten wird das "Lidl"-Projekt 1968-70 - Kunstaktionen, Happenings und Debattenrunden, die dem politischen Flügel der Fluxus-Bewegung zuzuordnen sind. 1977 wendet sich Immendorff, angeregt vor allem von den Werken Renato Guttusos, verstärkt der Malerei zu. Mit der politisch und gesellschaftskritisch engagierten Bildserie "Café Deutschland" gelingt ihm der internationale Durchbruch. Daneben ist er auch im Bereich Kunstpädagogik tätig. 1971 bis 1980 arbeitet er als Kunsterzieher an der Lindemann-Hauptschule in Düsseldorf. In den 1980er Jahren nimmt der Künstler mehrere Gastprofessuren an internationalen Universitäten an: 1981 an der Kunsthochschule in Stockholm, 1982 an der Akademie der bildenden Künste in Hamburg und der "Klasse F+F" in Zürich sowie 1984 an der Werkschule in Köln und der Akademie der Bildenden Künste in München.

Immendorff ist nicht nur als Maler, sondern auch als Bildhauer tätig und so beginnen seine Maleraffen nicht nur seine Gemälde, sondern seit den späten 1980er Jahren zunehmend auch sein plastisches Werk zu erobern. Den Affen entdeckt Immendorff als ideales Symbol für die Ambivalenz der zwischen Überzeugung und Selbstzweifel gefangenen Künstlerexistenz. Bei einem Besuch in den Tempelanlagen von Bangkok sieht der Künstler tausende von kleinen Steinaffen und ist vom aufmüpfigen Charakter dieses Tieres fasziniert, das zudem in der europäischen Kunstgeschichte eng mit dem Bild des Malers verknüpft ist. Der Maler, der die Erscheinungen der Natur nachzuäffen versucht, wird in Karrikaturen oft als Affe dagestellt, und so wird das Bild des Affen von Immendorff schließlich in ironisch-selbstkritischem Ton zu seinem Alter-Ego erkoren. In unserer frühen Plastik "Affenbaum", welche nicht nur aufgrund ihrer beeindruckenden Dimensionen als Immendorffs Hauptwerk innerhalb der plastischen Auseinandersetzung mit diesem Motivkomplex bezeichnet werden kann, hat der Künstler das Motiv des Affen durch die Multiplikation der Köpfe nicht nur ins Monumentale gesteigert, sondern dieses zugleich in den Rang eines archaischen Kultobjektes erhoben.

1997 sind seine wichtigsten Werke auf der Ausstellung "Deutschlandbilder: Kunst aus einem geteilten Land" in Berlin zu sehen. Große Einzelausstellungen finden u.a. in New York, St. Petersburg, Peking, Köln und Chicago statt. Jörg Immendorff verstirbt 2007 in Düsseldorf. [JS].




272
Jörg Immendorff
Affenbaum, 1989.
Bronze
Schätzung:
€ 70.000
Ergebnis:
€ 103.700

(inkl. Käuferaufgeld)