Auktion: 360 / Moderne Kunst am 12.12.2009 in München Lot 126

Max Beckmann - Idioten


126
Max Beckmann
Idioten, 1913.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 140.000
Ergebnis:
€ 124.140

(inkl. Käuferaufgeld)

Öl auf Leinwand
Göpel 169. 61,8 x 56 cm (24,3 x 22 in)

PROVENIENZ: Privatbesitz New York.
Grace Borgenicht Gallery, New York (auf dem Keilrahmen mit dem maschinenschriftlich bezeichneten Etikett "Idiots (Krankenzimmer) MB 297".
Sammlung Kerstan (auf dem Keilrahmen mit dem Stempel).
Privatsammlung Süddeutschland.

AUSSTELLUNG: Max Beckmann, Das gesammelte Werk. Gemälde, Graphik, Handzeichnungen aus den Jahren 1905-1927, Städtische Kunsthalle Mannheim, 19.2.-1.4.1928, Kat.Nr. 34.
Max Beckmann, Galerie Alfred Flechtheim, Berlin 22.4.-31.5.1928, Kat.Nr. 2 (hier datiert 1916).

LITERATUR: Benno Reifenberg/Wilhelm Hausenstein, Max Beckmann, München 1949, S. 67.

Gegen den Widerstand der Familie setzt der 1884 in Leipzig geborene Max Beckmann am Ende seiner Schulzeit durch, dass er Maler werden darf. Seine Ausbildung erhält er von 1900 bis 1903 an der Großherzoglichen Kunstschule in Weimar, hauptsächlich bei dem norwegischen Landschaftsmaler Carl Frithjof Smith. Nach dem Studienabschluss und mehreren Aufenthalten in Paris, Genf und Florenz lässt sich Beckmann 1907 in Berlin nieder und wird Mitglied der dortigen Sezession. Der Frühstil Beckmanns steht unter dem Einfluss des deutschen Impressionismus, vor allem von Lovis Corinth.

In unserem 1913 geschaffenen Gemälde in expressiver Pinselführung und scharfen Hell-Dunkel-Kontrasten wird der Betrachter mit einer rätselhaften Szene konfrontiert. Ungewöhnlich abrupt angeschnitten sind ein Krankenlager mit zwei Personen im Vordergrund sowie eine vage angedeutete Figurengruppe im Hintergrund wiedergegeben. Licht und Schatten, Ruhe und Bewegung, Präsenz und Abgewandtheit treffen in einem bühnenartig in die Tiefe gestaffelten Bildraum hart aufeinander. Titel und Sujet des Gemäldes führen dazu, Parallelen zu ziehen zu Beckmanns Beschäftigung mit den Werken Dostojewskis, oder zu den Werken künstlerischer Vorbilder wie Eugène Delacroix und Diego Velazquez, die er in Paris gesehen hat, aber auch zu Beckmanns biografischem Hintergrund dieser Zeit. Die Deutungsproblematik macht den besonderen Reiz des starken, widersprüchlichen Bildes aus. Klaus Gallwitz schreibt dazu: „Gerade darin liegt aber eine der Qualitäten des Bildes, das sich der Tradition des Genres mit Entschiedenheit entzieht. Die Motivsuche erweist sich als letztlich uneinlösbar. Der 'Vorgang' bleibt dem eindimensionalen, deutungssüchtigen Lesen unerklärt. Dieser Befund ist jedoch in besonderer Weise kennzeichnend für Beckmanns Ikonografie im allgemeinen und reicht bis zu seinen späten verschlüsselten Bildern.“

Bei Kriegsausbruch meldet sich Beckmann freiwillig als Sanitätssoldat und wird nach Ostpreußen und Flandern geschickt. Die traumatischen Kriegserlebnisse schlagen sich in seinem künstlerischen Schaffen in einem Wandel zu einem expressionistischen, der Neuen Sachlichkeit nahen Ausdruck nieder. Als er 1915 vom Militär entlassen wird, zieht er nach Frankfurt am Main, wo er bis 1933 an der Städel-Kunstschule unterrichtet. Der Individualismus seines Stils äußert sich seit den 1920er Jahren in einer intensiven Auseinandersetzung mit der Dingwirklichkeit, welche sich formal in einem expressiven, die Form umreißenden grafischen Gerüst niederschlägt. Hauptthema ist der einsame bedrohte Mensch in einer apokalyptischen Welt. Mit zunehmender Macht der Nationalsozialisten erfährt Beckmann eine immer stärkere Diffamierung, die zur Entlassung aus dem Lehramt und der Entfernung seiner Werke aus öffentlichen Sammlungen führt. 1937 emigriert Beckmann nach Holland. Auch hier schränken ihn die politischen Umstände ein, und so ist das Angebot einer Gastprofessur in St. Louis 1947 willkommener Anlass, um in die USA zu übersiedeln. Im Spätwerk steigern sich die Arbeiten zu großen, symbolbeladenen, mythologischen Triptychen. Im Anschluss an den Lehrauftrag an der School of Fine Arts der Washington University unterrichtet der Künstler ab 1949 an der Universität von Colorado in Boulder, dann an der Brooklyn Museum Art School in New York und im Sommer 1950 am Mills College in Oakland, Kalifornien. Im Jahr 1950 verstirbt Max Beckmann in New York. [EH].




126
Max Beckmann
Idioten, 1913.
Öl auf Leinwand
Schätzung:
€ 140.000
Ergebnis:
€ 124.140

(inkl. Käuferaufgeld)